Interview: Damien Brunner Interviews

05. Juli 2018 – Der prominenteste Neuzuzug des EHCB erklärt im exklusiven Interview auf unserer Website die Bewegründe für seinen Wechsel ins Seeland.

Hallo Damien! Als wir dich das letzte Mal auf dem Eis sahen, musstest du mit einem doppelten Innenbandriss am Knie sowie einem Riss des Syndesmosebandes am Fuss vom Eis. Wie geht es dir heute?
Mir geht es gut. Ich bin wieder 100% am trainieren, der Heilungsverlauf ist zufriedenstellend verlaufen, auch dank der guten Betreuung durch die Physios. Ich bin bereit um im August wieder voll anzugreifen. Zur Zeit ist es wichtig jeden Morgen den Körper zu spüren, zu sondieren. Nach einer Verletzung, wo sowohl das Knie als auch der Fuss betroffen waren, gibt es immer wieder mal eine Disbalance oder eine Verhärtung. Es ist wichtig die tägliche Belastung richtig zu wählen. Bis jetzt haben wir das aber gut im Griff.

Welche Rolle spielt das Sommertraining für den Aufbau nach so einer schweren Verletzung?
Eine sehr wichtige Rolle. Man muss die eigenen Grenzen spüren, die Gewichte stemmen, das ist vor einer so langen Saison Pflicht. Konditionell muss eine solide Basis gelegt werden.

Unterscheidet sich das Sommertraining heute mit 32 Jahren von den früheren Vorbereitung in Kloten in deinen ersten Profisaisons?
Bis 23 in Kloten habe ich immer mit der Mannschaft trainiert, in Zug wurde dann der Fokus auf individuelles Training gelegt. Seither trainiere ich im Sommer alleine. Die Schwerpunkte passen sich sicher über die Jahre etwas an. Aber es ist sicher auch schön zwischendurch den Wettbewerb mit Mitspielern zu suchen, dann gehen die Krafteinheiten auch schneller vorbei und machen mehr Spass. 

Wie erklärst du dir die zahlreichen Verletzungen der letzten Jahre?
Verletzungen zeichnen sich teilweise etwas ab. In Lugano bin ich nach Verletzungen sehr wahrscheinlich jeweils etwas zu früh wieder zurückgekommen. Die Regenerationsphasen waren zu kurz. Die meisten Blessuren waren die Konsequenz früherer Verletzungen. Die letzte Verletzung kam jedoch nach einer Phase, wo ich mich sehr gut gefühlt habe. Das war dann etwas schwieriger. 

Waren die Verletzungen mit ein Grund für deinen Wechsel?
Der Transfer nach Biel ist sicher eine Möglichkeit, mental einen Schritt zu machen, ein Kapitel abzuschliessen. Du kommst in eine neue Mannschaft, kannst nach vorne schauen und alles beginnt bei Null.

Wieso hast du dich für Biel und den EHCB entschieden?
Es war schnell klar, dass ich nach Biel wechseln möchte. Nach einigen Gesprächen mit meiner Freundin, der Familie und meinem Agenten hatte ich ein gutes Gefühl und habe mich dann auch rasch für einen Wechsel nach Biel entschieden. Biel hat in den letzten Jahren vieles richtig gemacht, kleine Schritte genommen und sich immer weiter entwickelt. Der EHCB hat eine coole junge Mannschaft, mit den routinierten Jonas Hiller und Beat Forster als Rückgrat. Zudem spielen sie anschauliches, schnelles Eishockey, was meinem Spielstil sicher entspricht.

Wie sind deine ersten Eindrücke von deinem neuen Umfeld?
Sehr gut, der EHCB bietet ein familiäres Umfeld. Ich wurde freundlich aufgenommen. Man merkt den positiven Geist der letzten Saison und spürt, dass alle noch einen Schritt weitermachen wollen.

Wie beurteilst du die Entwicklung in Biel allgemein?
Seit dem Aufstieg konnte sich der EHCB stets verbessern. Zuerst hat man als Underdog die Playoffs geschafft mit Reto Berra, anschliessend erreichte man mit Simon Rytz Spiel 7 gegen den ZSC. Es wurde Jahr für Jahr mühsamer gegen den EHCB zu spielen. Gegen den EHCB zu Punkten zu kommen wurde immer schwieriger. Die Qualität in der Mannschaft hat in den letzten Jahren noch einmal zugenommen. Ein Torhüter wie Hiller gibt dir jeden Abend die Möglichkeit, ein Spiel zu gewinnen und das gibt einem Team viel Sicherheit. Das neue Stadion ist sicher auch wichtig, die Leute aus der Hockeystadt Biel pilgern in die Tissot Arena. Was mir besonders auffällt: Die Verantwortlichen haben eine klare Linie und versuchen keine Schritte zu überspringen. Man weiss was man hat und versucht jedes Jahr weitere Puzzleteile dazuzufügen.

Als ehemaliger NHL Spieler mit 135 Partien und 67 Scorerpunkten: Verfolgst du die NHL noch?
Weniger als vor meinen Jahren in Nordamerika, aber doch schon wieder mehr als direkt nach meiner Rückkehr. Heute behalte ich einige Spieler im Auge. Besonders intensiv verfolge ich die Entwicklung der Toronto Maple Leafs von Mike Babcock (Anm.d.Red.: Brunner spielte bei den Detroit Red Wings unter Babcock). Es ist sehr interessant seine Interviews zu verfolgen, seine Eishockeyphilosophie mitzukriegen. Toronto ist, was die Medienberichterstattung anbelangt, wohl am extremsten. Der Druck auf die Spieler ist riesig. Sportlich hat sich in den letzten Jahren und Tagen in Toronto auch einiges ergeben. Mit Auston Matthews und John Tavares verfügen sie nun sportlich über ein grosses Potential.

Bei deinem Ex-Club, den New Jersey Devils, spielt mittlerweile der erste First-Overall-Pick der Schweiz. Wie beurteilst du das Potential von Nico Hischier?
Ich habe seine Saison nicht so genau verfolgt. Aber er ist ein sehr cleverer, raffinierter Spieler, der für sein Alter schon sehr robust ist in den Zweikämpfen. Es macht Spass einem so jungen Spieler auf diesem Niveau zuzuschauen.

Zurück zum EHCB. Was hast du dir für Ziele gesetzt für die kommende Saison?
Wir müssen in der Qualifikation eine gute Basis legen, damit wir dann am Tag X für die Playoffs bereit sind. Biel hat sich clever verstärkt, es sind einige neue Elemente dabei in der Mannschaft. Es geht darum, als Mannschaft von Beginn weg zu funktionieren und eine konstante Leistung über die ganze Saison zu erbringen. Für mich persönlich ist es wichtig gesund zu bleiben, dann mache ich mir um den Rest nicht so grosse Sorgen.

Interview: Mirio Woern

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