Interview: Jonas Hiller Interviews

22. April 2016 – Interview: Jonas Hiller

Hallo Jonas. Herzlich willkommen beim EHC Biel! Es schwappt eine Euphoriewelle durchs ganze Seeland und wir freuen uns, dich bald kennenzulernen.
Danke, ich freue mich auch bereits riesig.

Was weisst du über den EHC Biel?
Betreffend EHC Biel kommt mir vor allem der Name Oli Anken in den Sinn. Er war zwar nicht mein Idol als Junior (unsere Stile sind doch sehr verschieden ;-)) doch definitiv einer der bekanntesten Schweizer Torhüter. Mit Jahrgang 1982 kenne ich die Bieler Meistertitel leider nur vom Hörensagen. Dennoch ist der EHC Biel in meinen Kindheitserinnerungen als langjähriges NLA Team mit langer Tradition vorhanden.

In meiner eigenen Zeit in der NLA habe ich genau viermal gegen Biel gespielt und zwar in der Ligaqualifikation 2003/04 mit dem Lausanne HC. Da mag ich mich vor allem noch an das erste Spiel in Biel erinnern. Es war hart umkämpft. Wir waren von den Bieler Fans und der Stimmung etwas eingeschüchtert. Glücklicherweise gewannen wir das Spiel in der Verlängerung und mit drei weiteren Spielen die Ligaquali.

Der Aufstieg kam dann erst als ich bereits in Nordamerika war. Doch die Playoff-Teilnahmen als Aussenseiter bekam man auch von weit her mit und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sich der EHC Biel wieder in der höchsten Liga etablieren konnte… Ganz wie in meinen Kindheitserinnerungen.

Kennst du Biel und das Seeland bereits? Was sind deine Eindrücke?
Dank Verwandtschaft im Seeland ist mir die Umgebung Biel nicht ganz unbekannt. Vermehrt Richtung Bieler- und Neuenburgersee zog es mich erst wieder in den letzten Jahren als ich Kiteboarden als Sport entdeckte. Und jedesmal wenn ich bei Wind Richtung Ipsach, La Neuveville oder Yvonand fuhr, erfreute ich mich der wunderschönen Landschaft.

Als begeisterter Mountainbiker ist mir natürlich auch DT Swiss ein Begriff. Ein Bieler Unternehmen welches sich auf einem Weltmarkt durchgesetzt hat. Das finde ich sehr beeindruckend.

Wie denkst du, kannst du dem jungen EHCB-Team weiterhelfen und was können die anderen Spieler von dir lernen?
Ich hoffe sehr. Zum einen hoffe ich den jungen Spieler etwas von meinen Erfahrungen weiter geben zu können. Zum andern hab ich meine hohen Ziele immer durch viel harte Arbeit erreicht und ich versuche mich täglich zu verbessern. Ich hoffe den jungen Spielern damit ein Vorbild sein zu können und dass der ein oder andere so auch seinen Traum oder eben hohen Ziele erreichen kann.

Die Fans des EHC Biel sind eine eingeschworene Fangemeinde. Was denkst du, erwartet dich in der Tissot Arena?
Ich freue mich riesig wieder vor Fans zu spielen die das Eishockey leben und die Spieler auf dem Feld während 60 Minuten lautstark unterstützen. In Nordamerika vor allem Kalifornien war das etwas anders. Da kamen die Fans hauptsächlich wegen der Unterhaltung und dem Essen und Trinken. In Calgary war es dann doch einiges mehr an Leidenschaft doch von Fan-Chören und Gesängen waren wir auch da weit entfernt. Die Tissot Arena kenne ich bis jetzt nur von der Webseite und was mir Leute erzählen. Doch alles tönt sehr positiv und ich freue mich sehr bald in der modernsten Halle der Schweiz auflaufen zu dürfen.

Was wird am schwierigsten bei der Umstellung auf die NLA nach fast 10 Jahren in Amerika?
Jonas: Das wird sich wohl noch zeigen. Aber ich habe definitiv grossen Respekt davor. Die Umstellung war auch einer der Gründe warum ich mich im Lockout dafür entschied erst allenfalls in der Schweiz zu spielen, falls die NHL Saison definitiv abgesagt werden würde um mich nicht zweimal in einer Saison umstellen zu müssen. An das grössere Spielfeld und die damit etwas anderen Winkel gewöhnt man sich relativ schnell. Doch dass es mehr Raum gibt, der Druck weniger direkt aufs Tor kommt, und dass es besseren Möglichkeiten für einen weiteren Pass anstatt Schuss gibt, da braucht es wohl etwas länger.

Auf was freust du dich am meisten bei deiner Rückkehr in die Schweiz?
Zum einen auf die Stimmung der Fans in den Schweizern Stadien zum anderen aber auch wieder vermehrt vor Familie und Freunden spielen zu können. Auch werde ich die wochenlangen Roadtrips, die Nächte in Hotels und unzähligen Stunden im Flieger nicht vermissen. Freue mich dafür umso mehr häufiger Zeit für meine Familie zu haben.

Reto Berra hat sich u.a. in Biel zu einem der besten Schweizer Torhüter entwickelt und war Publikumsliebling. Hast du bei ihm um Rat gefragt, bevor du dich entschieden hast nach Biel zu kommen?
Den Werdegang von Reto habe ich natürlich mitverfolgt und auch ab und zu mit ihm über Biel gesprochen. Zwar nicht in den letzten Wochen doch ich wusste bereits davor dass er in höchsten Tönen über Biel und den EHCB spricht. Das hat mir zusätzlich Gewissheit gegeben, dass ich mich auf mein positives Bauchgefühl gegenüber Biel verlassen kann. Genauso wie die verheissungsvollen Meinungen und Kommentare von anderen Seiten.

Du hast für jeden Hockeyspieler eine Traumkarriere hingelegt. Du bist Schweizer Meister, Nati-Spieler, NHL-Star… Was hast du dir für die Zukunft noch für Ziele gesetzt?
Ich höre des Öfteren, dass ich niemandem mehr etwas beweisen muss. Was zwar stimmen mag, aber ich bin viel zu ehrgeizig um mein Engagement bei Biel auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich will dem Schweizer Hockey einen „Stempel aufsetzen“ zum einem durch starke Leistungen aber zum anderen auch als Vorbild für eine nächste Generation von Spielern, die sich inspirieren lässt und sich selber den Traum von einer NHL Karriere erfüllen kann.

Die letzte Saison ist für dich sportlich nicht so gut gelaufen. Die Erwartungen an dich von der Öffentlichkeit sind aber riesig. Wie gehst du mit den ewigen Kritikern und dem enormen Druck um?
Nach 16 Jahren Profikarriere und davon mehr als die Hälfte als erster Torhüter da hat man sich an Erwartungen, Kritik und Druck gewöhnt. Und mein Umfeld weiss genau dass ich die höchsten Erwartungen an mich selber habe. Ich bin ein Perfektionist und es braucht extrem viel bis ich zufrieden mit mir selber bin. In meiner Karriere gab es schon öfters Hochs und Tiefs doch anstatt bei Tiefs den Kopf hängen zu lassen und aufzugeben hat mich das meistens erst richtig motiviert um noch härter an mir zu arbeiten und stärker zurück zu kommen.

Das wars, merci dass du dir Zeit genommen hast! Wir wünsche dir eine gute Heimreise und sehen dich bald in Biel.

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