Interview: Sami Kaartinen Interviews

26. November 2018 – Diese Woche weilt Skating-Coach Sami Kaartinen in Biel. Wir haben uns mit ihm über sein spezifisches Training unterhalten.

Hallo Sami, du wirst Ende November in Biel sein. Wie können wir uns Trainingseinheiten mit dir vorstellen?
Wir haben ein eigenes System in unserem Unternehmen (Pro Prospect Ltd.) entwickelt. Wir nennen es Pro Prospect-Methode. Wir haben einen klar strukturierten Plan, wie wir die Einzelpersonen in einem Club oder einem Team entwickeln. Es ist variabel, abhängig vom Level der Spieler.

Mit dem NLA-Team arbeite ich vor dem offiziellen Eistraining des Teams mit den verletzten Spielern. Meistens konzentrieren wir uns auf die Skatingübungen und Übungen, die sie auf dem Eis machen können und die sie bei der Rückkehr zum Teamtraining oder zu Spielen unterstützen. Ich erstelle die Übungen immer auf der Grundlage von ein oder zwei Skating-Techniken. Während der Spieler die Übung macht, konzentriere ich mich darauf, wie er die Technik ausführt und trainiere sie, um diese spezifische Technik zu verbessern. Ich benutze zudem Video-Aufnahmen als Coaching-Tool. Kleine körperliche Anpassungen können zu grossen Fortschritten führen, da die Spieler effizienter skaten und mehr Kraft einbringen können.

Wenn ich mit dem ganzen Team auf dem Eis bin, gibt es zuerst ein paar Abschlussübungen, die auf einer oder zwei Skating-Techniken basieren. Die Spieler müssen sich dann auf diese Techniken fokussieren. Normalerweise erkläre ich die Techniken bereits zuvor in der Garderobe. Neben den Skating-Techniken konzentrieren wir uns manchmal auch auf Schuss- oder Passtechniken, um den Spielern mehr Variationen für verschiedene Spielsituationen zu bieten.

Nach dem offiziellen Teamtraining arbeite ich normalerweise mit einem oder zwei Spielern einzeln. In diesen Einheiten arbeiten wir an Techniken und Fähigkeiten, die diese Spieler brauchen können. Aus meiner Sicht können wir in diesen Privattrainings in sehr kurzer Zeit riesige Fortschritte machen.

An welchen Teilen des Spiels arbeitest du mit dem Team zusammen?
Ich konzentriere mich auf die Details betreffend der Weiterentwicklung einzelner Spieler. Taktische Aspekte stehen nicht im Vordergrund. Ich will den Spielern Werkzeuge anbieten, damit sie und das Spiel schneller werden. Zusätzlich kann es um flüssigere Wendetechnicken oder eine bessere Puckposition gehen, um einen schnelleren und härteren Pass zu an den Mann zu bringen. Wenn der Spieler bessere technische Eigenschaften hat, kann er den taktischen Dingen, die gefragt werden, leichter folgen. Der Mangel an Technik und Fertigkeiten macht die Spieler fast immer langsamer, was sich z.B. dadurch zeigt, dass dann mehr Fehler passieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass du in Biel bist. Wie würdest du die Fortschritte beschreiben, die das Team in den letzten Jahren gemacht hat?
Ich denke, dass es in diesen 2 Jahren, in denen ich mit dem EHCB gearbeitet habe, viele Fortschritte gegeben hat. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist, dass die Spieler jetzt wissen, wie ich ihnen helfen kann. Jeder Spieler hat seinen eigenen Skatingstil oder Schusstechnik. Meine Aufgabe ist es, ihnen kleine praktische Tipps zu geben, wie sie ihre Fähigkeiten und Techniken verbessern können, die ihnen auf dem Eis helfen. Die effektivste Art, mit professionellen Spielern zusammenzuarbeiten, ist, individuell zu arbeiten, indem man die Einheiten filmt und analysiert. Bereits mit 10 Minuten Einzeltraining ist es möglich, das Problem zu lösen, welches der Spieler wahrscheinlich im Laufe der Jahre hatte. Wenn ein solches Problem gelöst werden konnte, habe ich meine Arbeit gut gemacht.

Wenn wir über den Fortschritt im gesamten Team nachdenken, ist das Erste, was wir erreicht haben, dass der Spieler jetzt weiss, welche Techniken beim Eishockey vorkommen. Wenn man nur vom Skaten spricht, gibt es etwa 30-40 verschiedene Techniken, die der Spieler während eines Eishockeyspiels benötigt. Einige von ihnen sind einfacher als andere.  Wenn man darüber spricht, wer ein guter Skater ist, muss damit nicht unbedingt der schnellste Skater gemeint sein. Ich denke, die Spieler wissen jetzt, welche Techniken für ihr Spiel entscheidend sind und auf welche sie sich jeweils am meisten konzentrieren müssen. Meine Aufgabe ist es, das Wissen hinter den Techniken anzubieten und ihre Aufgabe ist es, qualitativ hochwertige Wiederholungen durchzuführen, um die Techniken auf die nächste Stufe zu bringen.

Hast du ein Beispiel für den Erfolg deiner Arbeit?
Ich möchte hier nicht auf Details bei den Einzeltrainings eingehen. Veränderungen sind nach aussen hin nur sehr schwer zu erkennen. Je höher das Niveau der Spieler, desto grösser ist die Rolle, die kleine Details spielen. 

Das beste Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit in Biel waren die Ergebnisse der letzten Saison. Schweizer Meister bei den Novizen- und Mini-Junioren, Halbfinale bei den Elite-Junioren und dem NLA-Team. Hinter diesen Ergebnissen steht eine grossartige tägliche Arbeit, die alle Coaches in der Organisation leisten.

Grundsätzlich haben wir jedes Mal, wenn ich in Biel bin, einen Kurs für die Coaches. Während diesen Einheiten durchlaufen wir verschiedene Themen. Meistens entscheiden die Coaches, welches Thema wir behandeln werden. Aus meiner Sicht hatten wir viele tolle Kliniken und Gespräche mit Trainern und ich habe das Gefühl, dass sie neue Ideen für ihre tägliche Arbeit bekommen haben. Das ist eine Sache, bei der ich sehe, dass wir gute Arbeit geleistet haben.

Wie hat sich die Bedeutung der Arbeit an Skating und Mobilität in den letzten Jahren verändert?
Skaten hat beim Eishockey schon immer eine grosse Rolle gespielt. In den letzten Jahren hat es eine noch bedeutendere Rolle übernommen, während sich Spiel und Regeln geändert haben, um Spieler mit mehr Skills zu unterstützen. Das Spiel ist insgesamt schneller geworden, die Spieler sind heute zudem weiter in ihrer Professionalität als Sportler als früher, was auch neue Anforderungen an das Skaten stellt. Schnelleres Spiel bedeutet auch schnelleres Denken und Reagieren, was meiner Meinung nach nicht Hand in Hand mit der Geschwindigkeit des Skatens verbessert wurde. Hohe Geschwindigkeit mit langsamem Denken ist eine ziemlich gefährliche Kombination. Könnte das einer der Gründe für die Zunahme von Verletzungen und Hirnerschütterungen beim Eishockey sein? Sollten wir dies bei der Planung von Trainings und Übungen für Spieler auf den Tisch bringen? Vielleicht.

Gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit mit dem ersten Team oder den Junioren?
Ja und nein. Die Details hinter den Techniken sind für die Junioren und die erste Mannschaft dieselben. Zu welchem Zeitpunkt Skating-Coaching die grösste Wirkung hat, ist die andere Frage. Junioren zwischen 6-12 Jahren sind noch nicht auf dem Niveau, dass sie die Details verstehen könnten, wenn ich sie mündlich erkläre. Für sie müssen die Trainer Übungen erstellen, die die Spieler dazu zwingen, die gewünschte Technik anzuwenden. Die Grundlagen jeder Skating-Technik müssen in diesen Juniorenjahren erarbeitet werden. Aber wenn wir das sagen, müssen wir auch verstehen, dass sehr junge Spieler körperlich nicht genug entwickelt sind, um einige Skating-Techniken anwenden zu können, also macht es keinen Sinn, sie zu bitten, diese Techniken anzuwenden. Die Unterschiede zwischen den Spielern können enorm sein, was bei der Planung von Übungen zu beachten ist.

Spieler zwischen 13-16 Jahren entwickeln sich körperlich stark und wenn wir nicht Sorge tragen, dass sie die natürliche Beweglichkeit, Flexibilität, Bewegungsfreiheit usw. aufrechterhalten, werden sie auch als Skater eingeschränkt sein. Ein weiteres Thema in diesem Alter ist das Krafttraining, das für das Skaten sehr nützlich sein könnte, aber wenn es falsch gemacht wird, kann es die Fähigkeiten der Spieler stark einschränken. Alle Trainer wissen im Grunde, wie man Muskeln aufbaut, aber wie man eishockeyspezifische Kraft entwickelt, ist eine ganz andere Sache.

Wenn jemand anfängt, auf die Skating-Techniken zu achten, nachdem er Profi geworden ist, müssen wir akzeptieren, dass grosse Veränderungen schwierig sind, aber viele nützliche Anpassungen könnten den Spieler auf die nächste Stufe bringen. Das bedeutet, dass der Spieler einige Gewohnheiten bereits so tief in sich selbst hat, dass es in den meisten Fällen nicht sinnvoll ist, die erlernte Art des Skatens dramatisch zu verändern. Es geht dann eher darum kleine Details anzubieten als grosse Änderungen vorzunehmen. Dennoch bringt jede noch so kleine Verbesserung die Spieler auf ein neues Niveau und hilft seiner Arbeit auf dem Eis, indem sie Energie spart und Verletzungen verhindert. Ich pflege immer zu sagen, dass Skating-Technik wie eine Freundin oder ein Freund ist. Wenn du eine Gute oder einen Guten hast, macht es dein Leben einfacher und mit einer oder einem schlechten ist dein Leben etwas schwieriger, aber du kannst trotzdem überleben.

Interview: Mirio Woern

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