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Dienstag, 21. Mai 2013
Interview der Woche: Sportpsychologe Robert Buchli

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Robert Buchli über seinen Job als Sportpsychologe

Röbi Buchli, du stehst vor deiner dritten Saison als Sportpsychologe mit dem EHC Biel. Wer bist du überhaupt?
Ich bin 32 jährig, verheiratet und ausgebildeter Primarlehrer mit anschliessendem Studium in Psychologie und Sport- und Bewegungswissenschaften an der Uni Zürich/ETH Zürich.
Ich bin seit 2007 Mitarbeiter bei Sport Psychologie Wetzel GmbH und wenn ich mich mal nicht mit Sport(psychologie) beschäftige, verbringe ich sehr gerne Zeit in der Natur. Ein waschechter Bündner eben Jäger, Fischer und Sammler!

Was macht ein Sportpsychologe beim EHC Biel?
In erster Linie bin ich Fachperson für die Mentale Stärke. Ich arbeite mit dem EHCB auf 4 Ebenen. Wir pflegen einen periodischen Austausch mit dem Management, unterstützen die Coaches, ich habe während der Saison einige thematische Inputs mit dem ganzen Team und auf Wunsch kann jeder Spieler zu uns nach Bern in ein Einzelcoaching kommen.

Was sind mögliche Inhalte auf den unterschiedlichen Interventionsebenen?
Als mögliches Thema auf der Teamebene nenne ich z.B. eine gemeinsame Zielerarbeitung mit individuellen und teamorientierten Zielen. Beim Coach the Coach geht es beispielsweise um Themen wie Führungsstil oder Kommunikation. In Einzelberatungen geht es darum die Spieler auf ihrem Weg individuell zu begleiten und sie zu unterstützen ihr volles Potential dann auszuschöpfen, wenn`s drauf ankommt.

Weshalb braucht der EHC Biel einen Sportpsychologen?
Der EHC Biel braucht keinen Sportpsychologen, der EHC Biel braucht mentale Stärke. Wie ein anspruchsvoller Reifenhändler für seine teuren Reifen einen Mechaniker engagiert, hat der EHC Biel seit Beginn der Ära Kevin Schläpfer darauf Wert gelegt, in ihrem Umfeld auf einen Sportpsychologen zurückgreifen zu können. Vergleicht man z.B. mit den USA, wo fast jedes Collegeteam (Soccer, Eishockey, Basketball)  mit einem Sportpsychologen zusammenarbeitet, stellt diese Massnahme einen weiteren Schritt zur Professionalisierung des Umfeldes eines Profiteams dar.

Welche Punkte die der EHC Biel letzte Saison gewonnen hat, sind auf die mentale Arbeit zurückzuführen?
Punkte holen die Spieler! Ich bin Dienstleister und gebe in meinem Job mein Bestes, so wie das von jedem Anderen im und rund um das System EHCB erwartet wird.

Wieso hört oder sieht man dich während der Saison nur selten in Biel (an der Bande)?
Es ist ein gutes Zeichen, wenn ich von den Leuten in Biel und Umgebung nicht wahrgenommen werde. Ich war in der letzten Saison an 17 Saisonspielen, aber mit den Prozessen die vor, während und nach dem Spiel ablaufen, habe ich direkt nichts zu tun.

Die Spieler sind jetzt in der intensiven Aufbauphase. Was machst du in dieser Phase konkret?
Zusammen mit den Coaches plane ich die neue Saison und gemeinsam werden neue Schwerpunkte für den mentalen Bereich gesetzt. Ich habe mich auch kürzlich mit dem Spielerrat (6 Spieler die Verantwortung übernehmen)getroffen.  Dort geht es darum, dass aus dem Team heraus einige Ideen umgesetzt werden, die das ganze Team stärker machen. Auch bin ich bereits mitten in der Planung  für das Trainingslager Anfang September, wo mit dem Team ein wichtiger Grundstein für die mentale Arbeit gelegt wird.

Was sind aus mentaler Sicht die wichtigsten Faktoren, damit ein Team im Mannschaftssport erfolgreich ist?
Leistungsdenken in jeder Situation, eine gesunde, offene Konfliktkultur, Selbstvertrauen und Teammitglieder die bereit sind sich zu reflektieren und ihre Stärken zum Wohl des Teams einzusetzen.

Warum kommt ein Einzelathlet zu dir?
Ein Spieler kommt dann zu mir, wenn er an sich persönlich arbeiten will. Er will sich reflektieren und ist überzeugt, dass eine Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen ein sinnvoller Weg für seine persönliche Reifung und Mentale Stärke darstellt.

Weshalb sollen deiner Meinung nach zukünftig mehrere Vereine einen Sportpsychologen engagieren?
Ich bin der Überzeugung, dass ein Sportpsychologe mit seiner fundierten wissenschaftlichen Grundausbildung jedem System helfen kann, das sich weiterentwickeln will. Es braucht in einer professionellen Organisation für den konditionellen Bereich einen Konditionstrainer, für die körperliche Leistungsfähigkeit Physiotherapeuten oder Masseure und so ist es auch mit dem Sportpsychologen der für den mentalen Bereich verantwortlich ist. In langfristigen Zusammenarbeiten zeigt sich, dass gerade im mentalen Bereich dann Entwicklung möglich wird, wenn systematisch und konsequent gearbeitet wird.