Interview: CEO Daniel Villard Interviews

04. März 2020 – EHCB CEO Daniel Villard zieht ein Fazit zur bisherigen Saison und nimmt Stellung zum aktuellen Unterbruch des Spielbetriebes aufgrund des Coronavirus. 

Daniel Villard, die Regular Season 2019/20 ging am Samstag zu Ende, wenn auch unter unerwarteten Umständen. Dein erstes Fazit?
Wir haben eine sportlich unglaublich intensive Regular Season hinter uns. Nimmt man noch unsere erstmalige Teilnahme an der Champions Hockey League dazu, so durften wir auch viele neue Erfahrungen sammeln. Wir haben sehr viele gute Spiele von unserer Mannschaft gesehen, und auch ein gröberes Loch mit vielen Niederlagen. Diese waren nebst den hohen Belastungen sicher auch in einer Verletzungsmisere begründet, welche ich in dieser Form selten gesehen habe. Und zum Dessert hat uns allen noch der Corona Virus den Stecker gezogen – volles Programm!

Die sportlichen Zielsetzungen wurden aber bislang alle erfüllt, korrekt?
Der Verwaltungsrat formuliert vor der Saison für jeden Wettbewerb eine klare Vorgabe, und die Mannschaft hat jede davon übertroffen (CUP, CHL, Meisterschaft). Das geht in der ganzen Corona Diskussion nun leider etwas unter. Trotz den bereits erwähnten vielen Verletzungen, haben wir eine sehr gute Saison gespielt bisher und mein Dank dafür gilt dem ganzen Team und Trainerstaff.

Das Saisonhighlight, die Playoffs, mussten aber jetzt aufgrund des Corona-Virus erstmal verschoben werden. Was bedeutet das konkret für den Club?
Geisterspiele sind ein Novum für alle. Die Erfahrungen am Wochenende waren schlimm. Wir machen den Sport für unsere Fans, Zuschauer, Partner. Wenn wir diese ausschliessen müssen, macht es keinen Sinn zu spielen. Von daher war an der gestrigen Ligaversammlung für alle klar, dass es keine weiteren solchen Spiele geben darf. Jeder Club hatte nun ein Heimspiel vor leeren Rängen und muss die entsprechenden Ertragsausfälle verkraften. Sollten die Playoffs dennoch in absehbarer Zeit starten können, so kann dies sicher aufgefangen werden. Müssen die Playoffs verkürzt oder gar ganz abgesagt werden, so werden wir, und wohl die meisten anderen Clubs auch, wirtschaftlich ernsthafte Probleme bekommen. Die Playoffs bedeuten für jeden Club auch hohe Einnahmen aus Ticketing, Hospitality, Gastronomie und Merchandising. Wenn das alles ersatzlos ausfällt, die Kosten für Gehälter, Stadionmiete etc. aber weiterlaufen, geht die Rechnung definitiv nicht mehr auf.

Kann man den Schaden schon genau beziffern?
Unser CFO Patrick Hasen arbeitet daran, alle Zahlen zusammenzustellen und die einzelnen Szenarien durch zu rechnen. Allerdings sind einige Positionen unklar, unter anderem was mit den TV-Geldern passiert, sollten keine Spiele mehr stattfinden.

Kann man solche Vorkommnisse eigentlich versichern?
Man kann grundsätzlich fast alles versichern – es ist nur die Frage wie viel das kostet. Daher haben nahezu alle Clubs in diesem Bereich keine Versicherungsdeckung. Wir haben in Teilbereichen eine Epidemie Police, u.a. bei der Gastro AG. Dort laufen aktuell noch Abklärungen, inwieweit diese greift und wie viel Geld wir allenfalls dort zurückerhalten. Allerdings wird das unser finanzielles Problem definitiv nicht lösen.