Interview: Geschäftsleitung EHC Biel Holding AG Interviews

01. April 2020 – Interview: Geschäftsleitung EHC Biel Holding AG

Die Schweiz – und der Rest der Welt – befinden sich momentan in einer Ausnahmesituation aufgrund des Coronavirus. Am 12. März musste die laufende Hockeysaison, ohne einen Schweizermeister zu küren, abgebrochen werden. Das ist sicher sehr schade für die gesamte Hockeycommunity, aber führt auch zu weitergehenden Konsequezen für die Clubs. Wir haben mit einigen Mitgliedern unserer Geschäftsleitung über die aktuelle Situation gesprochen.

Interviewgäste:
Martin Steinegger: General Manager
Thomas Burkhardt: Marketing Director
Patrick Hasen: CFO
Ruschy Grünig: Leiter Stadiongastronomie
Fabian Hänni: Director Junior Department

Stoney, trotz dem aktuellen Lockdown muss ja die Planung für die neue Saison vorangehen. Wie wird das Sommertraining organisiert, wenn alle Einrichtungen geschlossen sind?
Momentan befinden wir uns in der Zwischensaison. Die Trainings würden, auch ohne Ausnahmesituation, individuell gestaltet werden. Wir sind momentan daran alternative Trainings zu planen und den Spielern individuelle Programme zu erstellen. Hilfreich sind sicher die technischen Möglichkeiten, so können wir mit Hilfe sportspezifischer Apps, die Intensität und Inhalte der jeweiligen Trainings überwachen und Anpassungen anbringen. Die Spieler erhalten so auch die Chance an ihren individuellen Schwächen zu arbeiten und etwelche Defizite oder muskuläre Dysbalancen zu beheben. Für den weiteren Verlauf sollten wir dann schon auf spezifische Infrastruktur zurück greifen können. Gerade im Kraftbereich ist Hantel / Gewichtstraining ein wichtiger Bestandteil des Sommers. Aber auch da gibt es alternative Möglichkeiten. Wir alle sind gefordert kreative Lösungen zu finden.

Was gibt es sonst für Herausforderungen zu beachten für einen Profisportler in dieser Zeit?
Grundsätzlich die gleichen wie für alle anderen auch.

Thomas, welche Reaktionen erhielt der EHCB von Seiten Sponsoren und Donatoren in den vergangenen vier Wochen?
Die Reaktionen unserer Partner auf den Meisterschaftsabbruch waren primär geprägt von grossem Verständnis für die Gründe des Abbruchs und von viel Wohlwollen für den Club. Wir hatten diverse Anfragen, ob zusätzliche Mittel gespendet werden können, ob der Club auf andere Weise unterstützt werden könne oder wurden ermuntert, eine Spendenaktion unter Donatoren zu lancieren. Diesen positiven Reaktionen stand nur eine Negative gegenüber. Wir spüren also eine grosse Solidarität von Seiten unserer Partner.

Wie sieht es mit Blick auf die nächste Saison aus?
Die Grundstimmung im Markt war für uns bis Mitte Februar sehr positiv. Wir sind mit Vertragsverlängerungen und Neuabschlüssen gut voran gekommen. Seit gut drei Wochen sind die Rückmeldungen nun doch besorgt und geprägt von der Ohnmacht des Nicht-Wissens, wie sich die Lage entwickelt und wie lange diese spezielle Situation noch anhält. Die Akquisition neuer Partnerschaften ist zurzeit stark erschwert. Termine und Entscheidungen werden zeitlich nach hinten geschoben. Bei bestehenden Partnern spüren wir eine hohe Identifikation mit dem Club. Eine solche ist für uns zurzeit „lebenswichtig“. Dennoch erkundigen sich Partner, die von den aktuellen Begebenheiten sehr direkt betroffen sind, punktuell nach Möglichkeiten Zahlungsfristen zu schieben oder in Raten zu bezahlen. Wir werden hoffentlich für alle tragbare Lösungen finden.

Patrick, wie sieht denn die aktuelle finanzielle Lage aus?
Die finanziellen Einbussen sind erheblich. Kurzfristig kann gesagt werden, dass wir diese Saison mit einem Defizit im tieferen sechsstelligen Bereich abschliessen werden. Uns kommt zu Gute, dass wir stets mit zwei Playoff Heimspielen budgetieren, und in den vergangenen Jahren trotz zweimaligen Halbfinalqualifikationen nicht über unseren Verhältnissen gelebt haben. Somit konnten wir ein finanzielles Polster aufbauen.
Unsere Gastronomie wird von den Auswirkungen von COVID-19 sehr hart getroffen. Die Monate März und April gehören zu den umsatzstärksten Monate des ganzen Jahres, welche uns helfen die eishockeyfreie Zeit im Sommer finanziell zu überbrücken. Diese Einnahmen fehlen uns nun komplett. Dort hoffen wir, die hohen Fixkosten nicht alleine tragen zu müssen.

Gibt es Auswirkungen für die kommende Saison?
Mit Sicherheit werden die finanziellen Auswirkungen nächste Saison zu spüren sein – ziemlich sicher auch die Übernächste. Unser diesjähriges Budget von CHF 17,2 Mio. werden wir den Gegebenheiten anpassen müssen. Zurzeit herrschen viele Unklarheiten, weshalb eine Budgetierung für die kommende Saison noch nicht möglich ist. Dies wiederum hat direkte Auswirkungen auf unsere Personalkosten für die kommende Saison.

Ruschy, wie trifft der Lockdown unsere Gastronomie ausserhalb des Hockeybetriebes?
Der Lockdown traf uns nicht nur in der umsatzstärksten Hockeyzeit, sondern auch in der Hochsaison von anderen Events. Sämtliche Anlässe mussten abgesagt und mit unseren Kunden neue Daten gesucht werden. Wie in allen anderen Bereichen vom EHCB spüren auch wir eine grosse Solidarität von unseren Kunden und plus/minus möchten alle Kunden ihre Events zu einem späteren Zeitpunkt in der Tissot Arena durchführen.

Was passiert mit den ganzen Lebensmitteln, die ihr ja sicher am Lager hattet für die anstehenden Playofffs?
Aufgrund die Schliessung der gesamten Gastronomie und dem Geisterspiel vom 28. Februar 2020 waren unsere Lager an Lebensmitteln und Getränken mehr als voll. Zusammen mit unseren Lieferanten konnten wir sehr schnell und unkompliziert sehr viele Produkte zurückschieben und somit einen grossen Verlust vermeiden. Dies ist nicht selbstverständlich und ich möchte mich bei unseren langjährigen Partnern bedanken, ich schätze dies sehr!

Fabian, am 12. März wurden ebenfalls sämtliche Meisterschaften auf Nachwuchsstufe abgebrochen. Was bedeutet das für unsere Junioren?
Der Meisterschaftsabbruch kam auch für die Nachwuchsbewegung überraschend. Die Gefühlslage bei den einzelnen Altersstufen ist unterschiedlich. Für die U20-Elit und die U17-Elit ist das abrupte Ende sicher weniger schlimm, da sie bereits aus den Playoffs ausgeschieden waren. Die U15-Elit stand jedoch im Halbfinale und hatte gute Chancen auf eine Finalqualifikation. Zudem musste die Teilnahme an der international besetzten Nordic Youth Trophy abgesagt werden. Für die Kinder U13 und jünger war der Abbruch nicht erfreulich. Jeweils zum Ende der Saison finden nationale und internationale Tages- und Zweitagesturniere statt. Diese Turniere sind unvergessliche Momente für die Jüngsten und ein krönender Abschluss der Saison.

Und wie geht es jetzt weiter?
Wir schliessen die Saison so normal wie möglich ab. Einzelgesprächen und Rückmeldung werden via Telefon oder E-Mail gemacht. Die Planung der Saison 2020/21 steht soweit. Klar gibt es diverse Unsicherheiten und der geplante Start des Sommertrainings kann in der aktuellen Situation nicht eingehalten werden. Die Spieler erhalten jedoch Programme und Challenges, welche zuhause durchgeführt werden können. So sind wir in der Lage wieder voll anzugreifen, sobald es los geht!