Interview: Jan Neuenschwander Interviews

25. Juni 2019 – Wir haben uns mit Jan Neuenschwander über seine Erfahrungen mit der Krankheit Diabetes unterhalten.

Hallo Jan! Im heutigen Interview geht es nur am Rande um den EHCB, deine Person und deine Krankheit sollen im Vordergrund stehen. Du bist Botschafter für mein-blutzucker.ch. Wie ist es dazu gekommen?
Die Plattform wurde ursprünglich von der Firma Roche gegründet und aufgebaut. Sie bringt  von Diabetes Betroffene aus allen Lebensbereichen zusammen, sei es direkt Betroffene, Angehörige oder auch interessierte Mitmenschen. Der Austausch ist für die Betroffenen sehr wichtig, die Seite dient der Community wie ein grosses Forum, alle können daran teilhaben und Fragen stellen. Es ist eine sinnvolle, gute Sache. Als Sportler wurde ich dann angefragt, ob ich aus meinem Alltag erzählen könne, was ich seither regelmässig in meinem Blog mache.

Erkläre unseren Fans doch kurz, was Diabetes genau ist.
Es gibt zwei Typen von Diabetes, ich persönlich habe Typ 1. Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört werden, die das Hormon Insulin bilden. Insulin ist notwendig, damit Zucker, der über die Nahrung ins Blut gelangt, von Zellen aufgenommen und verarbeitet werden kann. Ist zu wenig Insulin vorhanden, verbleibt der Zucker im Blut, er kann nicht verbraucht werden und der Blutzuckerspiegel steigt.

Auf was musst du achten beim Trainieren und während den Spielen mit dem EHCB?
Da sich bei mir das System nicht selber reguliert, muss ich dieses selber kontrollieren. Täglich messe ich meinen Blutzuckerspiegel zwischen 10 und 15 mal. Ich trage eine Insulinpumpe am Körper und kann mir so dementsprechend selber Insulin verabreichen und meinen Blutzuckerspiegel regeln.

Den Spiegel vor dem Training vorher schon gut einzustellen ist wichtig, so dass ich für die Einheiten voll leistungsfähig bin. Während den Trainings weiss ich dann eigentlich, wie sich der Blutzuckerspiegel anschliessend verhält. Allgemein ist es für die Trainings schwieriger, da die Einheiten und Einsätze länger sind als während den Spielen, wo wir nur kurze Shifts haben. Du verbrennst dann viel mehr und musst zwischendurch Zucker zu dir nehmen. Ich merke mittlerweile aus Erfahrung, wann das der Fall ist. Für die Spiele ist es einfacher. Ich beginne bereits lange vor dem Spiel den Pegel an das Optimum heranzuführen, im Spiel selber verändert er sich dann relativ wenig. 

Ist es schon zu gefährlichen Situationen gekommen?
Nein, im Sport noch nie. Ich habe es gut im Griff und kontrolliere es sehr genau. Wenn etwas passiert ist, dann eher in der Nacht. Mit 10 Jahren war ich einmal so unterzuckert, dass ich nicht einmal mehr meinen Namen sagen konnte. Ich wusste zwar schon noch, wie ich heisse, konnte es aber nicht artikulieren.

Darfst du das gleiche konsumieren wie die anderen Spieler oder hast du jeweils ein Sondermenü?
Nach den Spielen esse ich genau das Gleiche wie meine Mitspieler. Mit der Insulinpumpe bin ich da recht flexibel. Zuhause esse ich schon gesund und ausgewogen. Beispielsweise Vollkornprodukte, die den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen lassen. Dies ist aber für alle Menschen gesünder und gilt nicht nur für mich.

Wie gehen deine Teamkollegen mit deiner Krankheit um?
Eigentlich ist es immer das Gleiche. Wenn du neu in die Mannschaft kommst, oder ein Spieler neu zum Team dazu stösst, fragen am Anfang schon alle, was ich denn da machen müsse. Ich messe den Blutzuckerspiegel immer in der Garderobe, die Insulinpumpe sieht man beim Duschen auch gut. Dann erklärst du die Situation einmal und ab diesem Zeitpunkt ist es eigentlich kein Thema mehr. 

Wie hat die Krankheit deine Persönlichkeitsentwicklung geprägt?
Ich habe gerade vor kurzem einen Blogbeitrag dazu geschrieben. Ich habe schon früh mit Verantwortung umgehen müssen, musste mich stets bewusst verhalten. Disziplin ist für mich absolut selbstverständlich geworden. Das prägt einem schon.

Momentan ist Sommertraining angesagt, zwei anspruchsvolle Trainings pro Tag stehen an. Eine besondere Herausforderung?
Das Sommertraining ist für mich schon nicht so einfach zu handhaben. Wenn wir am Morgen hart trainieren, muss ich nach dem Mittagessen sehr vorsichtig sein mit dem Insulin. Im zweiten Training am Nachmittag den richtigen Blutzuckerpegel zu haben ist schwierig. Vor allem weil wir am Nachmittag oft polysportive Sachen machen, da ist es schwer abzuschätzen, wieviel ich benötige. 

Vielen Dank und weiterhin ein gutes Sommertraining!

Interview: Mirio Woern